Titelbild der AUsstellung: #eigenGERÄUSCHE

#eigenGERÄUSCHE

Günter Grass

In seinen „Eigengeräuschen“ können Sie verschiedene Facetten des Künstlers Günter Grass entdecken. Als junger Mann studierte Grass Bildhauerei und Grafik in Düsseldorf und Berlin. Seine erste Veröffentlichung war der Gedichtband „Die Vorzüge der Windhühner“ (1956), illustriert mit Zeichnungen des Autors. Er interessierte sich für jedes Detail seiner Bücher. Der Umschlag seines wohl bekanntesten Romans, „Die Blechtrommel“, stammt gleichfalls aus der Werkstatt von Günter Grass. In den „Eigengeräuschen“ finden Sie neben den mit seinem literarischen Werk verbundenen Motiven auch solche, die nicht direkt einem Text zugeordnet werden können. Sie zeigen die Umgebung des Künstlers, der sie lebenslang aufmerksam beobachtete, beschrieb und zeichnete.

Günter Grass reiste immer wieder in die DDR. Während seiner Aufenthalte 1988 und 1989 entstanden vor allem Kohlezeichnungen. Seine Motive beschrieb er so:  „Vom Sommer achtundachtzig bis in den Winter neunundachtzig hinein zeichnete ich, unterbrochen nur von den Tatsachenbehauptungen des Zeitgeschehens, totes Holz. … Anschaulich lagen Buchen, Kiefern, denen das Strammstehen vergangen war, Birken, um ihr Ansehen gebracht, vordatiert die Hinfälligkeit der Eichen. Und bemüht, diesen Ausdruck von Forstarbeit zu steigern, traten zu Beginn des neuen Jahrzehnts kurz nacheinander Orkane auf, fünf an der Zahl, gewillt, mit aufrechtem Baumbestand Mikado zu spielen.“ Im Steidl Verlag erschien mit diesem Material „Totes Holz“. Die parallel entstandene Mappe mit Lithographien heißt „Kahlschlag in unseren Köpfen“.

Anfang Januar 1990 beschloß Günter Grass, was er in den nächsten Monaten tun wollte. In seinem Tagebuch, das er unter dem Titel „Unterwegs von Deutschland nach Deutschland“ veröffentlichte, steht: „Ich will ab Ende Februar bis zum September jeden Monat in längeren und kürzeren Abständen in der DDR sein, von Rügen bis zum Vogtland, um die Veränderungen nach der großen politischen und revolutionären Veränderung im Auge zu behalten.“

In dieser Zeit entstand in den Gedanken des Autors Günter Grass die Handlung seiner „Unkenrufe“. Während seines Frühjahrsaufenthaltes in Portugal stellte Günter Grass, in dem er die Blase von Tintenfischen leerte, Tinte her und malte mit diesem natürlichen Farbstoff Unken. Neben anderen Einwohnern der Grass-Welt zeigt unsere Ausstellung eine mit Natursepia getuschte Unke, aber auch, scheinbar tanzend, vertrocknete Unkenkadaver.

Sie finden Spuren vieler Arbeitsphasen von Günter Grass in unserer Ausstellung wieder.

„Letzte Tänze“ nannte Grass einen Band, in dem Zeichnungen und Lithographien mit Tanz- und Liebespaaren zu sehen sind. Mit über hundert Lithographien reagierte Günter Grass auf Erzählungen von Hans Christian Andersen. Es erschien ein illustriertes Märchenbuch, „Der Schatten“. Die Serie „Møner Tagebuch“ entstand in Dänemark, wo Günter und Ute Grass über Jahrzehnte gern die Sommermonate verbrachten. „Dummer August“ ist Titel eines Zyklus, zu dem bei Steidl einen weiteren Gedichtband herausgab.

„Eigengeräusche“ ist eine Überschrift aus dem wenige Wochen nach dem Tod von Günter Grass erschienenen Band „Vonne Endlichkait“. Dieser Text schließt:

„Jetzt will Räuspern Anwesenheit bezeugen. Jetzt nähert sich jemand, ohne nahezukommen. Jetzt summe ich die Melodie eines Schlagers, in dem sich des Regens Tropfen auf klopfen reimen. Jetzt dieser Pfeifton, der dem Eigenwillen meines Hörgeräts entspricht. Jetzt rumpelt es unterm Dach. Das bin nicht ich. Das ist der Marder, der dort zu Hause ist.“

Entdecken Sie den Künstler Günter Grass in den für Sie gesammelten „Eigengeräuschen“!

Hilke Ohsoling
Geschäftsführerin der
Günter und Ute Grass Stiftung
Glockengießerstraße 21
23552 Lübeck

26.4.2019 - 31.7.2019
Grafik, Aquarell, Skulptur
Ort:
Foyer Neuberinhaus
Vernissage:
26.4.19 19:00 Uhr
Günter Grass
Danzig
*1927 †2015